Dorte Schusdziara

Oder anders formuliert: Ist die Verhinderung einer potentiellen Straftat über Datenanalysen möglich?

In der Sciene-Fiction Serie „Person of Interest“ ist die Vorhersage wie auch die Verhinderung von, in der Zukunft liegenden, Straf- und Gewalttaten anhand von Daten und der passenden Analyse-Software bereits möglich. Die sog. „Maschine“ verarbeitet hierfür alle verfügbaren Daten, angefangen von Handygesprächen, bis hin zu Aufnahmen von Sicherheits- und/oder Verkehrsüberwachungskameras und sagt entsprechende Verbrechen voraus.

Sicher sind wir hiervon noch ein Stück weit entfernt. Dennoch gilt es zu erwähnen, dass das in Deutschland geltende Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsverkehrsdaten Ende 2015 massiv gelockert wurde und die anlasslose Speicherung von eben diesen Daten  zumindest befristet wieder zulässt. So wird der Standort eines Handys und somit auch das Bewegungsprofil vier Wochen lang, die Telefonate, wer wie lange mit wem telefoniert hat, zehn Wochen lang gespeichert.

Für die einen unter uns ein Segen, für die anderen ein Fluch. Sagen die einen aus, dass die Vorratsdatenspeicherung ein diffus bedrohliches Gefühl des Beobachtetseins hervorruft, das eine unbefangene Wahrnehmung der Grundrechte in vielen Bereichen beeinträchtigen kann und damit für Grundgesetz widrig hält, so gibt es auch viele Fürsprecher die die Vorratsdatenspeicherung für notwendig halten um bei der Bekämpfung schwerer Verbrechen zu unterstützen.

Predictive Analytics

Was aber ist nun also möglich und in welchen Bereichen kommt „Predictive Analytics“ bereits bei der Bekämpfung, Aufdeckung und Verhinderung von Straf- und Gewalttaten zum Einsatz. Jeder kennt aus dem allsonntäglichen Tatort die Handyortung; wer hält sich wo auf oder hat sich zum Zeitpunkt x z.B. in der Umgebung des Tatortes aufgehalten.

Interessanter wird es, wenn aus bestimmten bereits geschehenen Straf- und/oder Gewalttaten ein Muster erkannt werden kann und so ggf. weitere Taten verhindert werden können. Hierzu werden die Daten der bereits geschehenen Straf- und/oder Gewalttaten in digitaler Form gesammelt und dann mit Unterstützung von Computerprogrammen analysiert.

Die meisten Programme reichern statistische Falldaten mit Geoinformationen an, berücksichtigen dann ggf. auch noch Veranstaltungskalender (z.B. Oktoberfest in München, Karneval in Köln etc.), Wetterdaten oder auch die Daten zu denen i.d.R. Gehälter ausbezahlt werden. Über verschiedene Algorithmen können dann z.B. Muster bei Einbruchserien, Überfällen, oder ähnlichen Straftaten vorhergesagt werden.

Die Studie des LKA Niedersachsen aus dem Jahr 2014 unterteilt drei grundsätzliche Ansätze, die sich vom Komplexitätsgrad, den benötigten Daten, den Anforderungen an die endanwendenden Analytiker und den Vor- und Nachteilen unterscheiden:

  • Fortschreibung  von  Hot-Spots  (räumliche  Brennpunkte)  und  Hot-Dots (Personen,  die  aufgrund  bestimmter  Eigenschaften  und  Verhaltensweisen immer wieder Opfer werden) in die Zukunft. Zugrunde liegt die Annahme einer großen Konstanz dieser Gebiete und Personen.
  • Nutzung univariater Methoden, bei denen auf Messungen einer Variable  – in diesem  Zusammenhang  meist  die  Straftaten  –  in  der Vergangenheit  auf  die Zukunft geschlossen werden soll.
  • Verwendung  multivariater  Verfahren,  wobei  zunächst  diejenigen unabhängigen  Variablen  identifiziert  werden  müssen,  die  auf  die  abhängige
    Variable „Kriminalität“ Einfluss nehmen.

Predictive Policing

Die Nachfrage wie auch der Markt für sog. „Predictive Policing Software“ ist stark gewachsen und wächst weiterhin stetig. Pionier auf dem Gebiet war IBM mit seiner Software „Blue Crush“. Mittlerweile gibt es verschiedene namhafte Produkte wie „Predpol“,  „Precobs“ oder auch Individualentwicklungen für einzelne Polizeibezirke.

Ob und inwieweit durch „Predictive Policing“ Straf- und Gewalttaten verhindert werden, ist aktuell empirisch noch nicht nachgewiesen. Erste Meldungen aus den USA geben an, dass die Zahl der Einbrüche und Autodiebstähle in bestimmten Bezirken, in den „Predictive Policing“ zum Einsatz kommt, gesunken ist.

Fakt ist auf jeden Fall, dass das Ende der technischen Möglichkeiten lange noch nicht erreicht ist; wohl aber auch, dass „Predictive Policing“ ohne den Menschen und menschlichem Handeln nicht möglich ist.