Dorte Schusdziara

Was in der klassischen Software-Entwicklung bereits seit zwei Jahrzehnten gelebt wird und sich sicher auch in dem ein oder anderen Unternehmen / Projekt auch bewährt hat, wird nun auch in der BI Welt immer populärer.

Agile Projektmethoden gelten heutzutage als Nonplusultra im BI-Bereich. Sie versprechen eine Flexibilität und Dynamik, die klassische IT-Praktiken kaum zu leisten vermögen – und die für die erfolgreiche Umsetzung moderner BI-Projekte unverzichtbar sind. Wie jedoch die Praxis zeigt, lässt sich Agilität nicht „mal eben nebenher“ einführen. Agile BI folgt strikten Regeln, die ein Umdenken aller Beteiligten erfordern. Andernfalls endet die neu gewonnene Freiheit in einem Chaos, an dem schon viele ambitionierte Projekte gescheitert sind.

Zunächst ein Überblick der vier Agile-BI-Werte (aus: Memorandum für Agile Business Intelligence) abgeleitet aus dem Agilen Manifest:

  1. Unternehmensnutzen ist wichtiger als das Festhalten an Methoden und Architekurkonzepten.
  2. Kontinuierliche Zusammenarbeit und Interaktion zwischen Anforderern und Umsetzern sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.
  3. Eingehen auf Veränderungen ist wichtiger als das Festhalten an einem Plan.
  4. Funktionierende BI-Lösungen sind wichtiger als detaillierte Spezifikationen

Agile Methoden – Die häufigsten Fehler

Was aber sind die häufigsten Fehler bei der Anwendung agiler Methoden? Und: Wie lassen sich diese umgehen? Wie viel Agilität verträgt ein BI-Projekt generell? Wo liegen die Grenzen? Das Thema Agilität wird am Beispiel von SCRUM näher beleuchtet, wobei sich die Erkenntnisse auch auf weitere agile Projektmethoden KANBAN, etc. anwenden lassen.

Wird man in einer Schulung oder beim Lesen eines SCRUM Buches mit den agilen Werten konfrontiert, so erscheinen einem diese schnell als sinnvoll und Teil des Ganzen. In der Praxis sieht es dann schon wieder ganz anders aus und die „Agilen Werte“ geraten schnell in Vergessenheit oder werden gar vom Management ignoriert.

Der wohl schwierigste Punkt bei der gesamten Diskussion ist, dass „alle“ von Agilität reden und keiner so richtig weiß, was es für das Projekt und/oder Unternehmen tatsächlich bedeutet. Agile Methoden erhalten Einzug in die Deutschen Großkonzerne. „Wir wollen ganz agil vorgehen, benötigen vorab aber für die Budgetbeantragung eine ganz konkrete Aufwandsschätzung“.  Dies und ähnliche Aussagen begegnen uns immer wieder in unserem Projektalltag.

Alleine die Einführung von SCRUM wird die klassischen Probleme in IT Projekten nicht lösen. SCRUM kann nur als Stein des Anstoßes gesehen werden und mit der Einführung müssen auch die Arbeits-, Denkweisen und Prozesse aller Projektbeteiligten geändert werden.

Agile Methoden – Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung

Deshalb einige Tipps, die es zu beachten gilt und die dringend einzuhalten sind, wenn man mit Agilen Methoden erfolgreich in Projekten unterwegs sein möchte:

1.) Unterstützung durch das Management:

Zur Einführung von SCRUM wird die Unterstützung und auch das Committment des Managements benötigt, da schlussendlich nicht nur die Arbeitsweise in einzelnen Entwicklungsteam geändert wird, sondern mit der SCRUM Einführung sich das gesamte Unternehmen verändern wird. Die in einer Organisation herrschende Kultur muss dem agilen Wertesystem gegenüber aufgeschlossen sein, sonst ist der Einsatz von SCRUM zum Scheitern verurteilt!

2.) SCRUM Grundlagen müssen verstanden sein:

Was bedeutet SCRUM? Welche Werte stehen im Vordergrund? Welche Prinzipien werden empfohlen? Bei der Einführung von SCRUM empfiehlt es sich auf jeden Fall auf Expertenwissen zurückzugreifen und die Einführung von externen Partnern begleiten zu lassen. So werden die inneren Barrieren klarer aufgezeigt und eine Aufweichung der notwendigen Artefake gestaltet sich schwieriger.

3.) SCRUM Rollen müssen besetzt und gelebt werden:

Die Rollen (SCRUM Master, Product Owner, Team) müssen passend besetzt sein und sollten auf keinen Fall als Teilzeit Positionen verstanden werden. Hierbei Gilt ein SCRUM Master und ein Product Owner pro Entwicklungsteam. Keine Doppelbesetzungen.

4.) SCRUM Artefakte leben:

  • Product Backlog
  • Sprint Backlog
  • Sprint Planung
  • Daily SCRUM
  • Sprint Review
  • Sprint Retrospektive
  • SCRUM Boards

Die hier genannten SCRUM Artefakte müssen im Projekt aktiv gelebt werden. Nur ein gepflegtes und priorisiertes Product und Sprint Backlog ermöglicht eine sinnvolle und zielgerichtete Sprint Planung. Das Daily Scrum mit seiner 15 minütigen zeitlichen Beschränkung dient der Selbstorganisation des Teams, fördert die Kommunikation und hilft Hindernisse systematisch zu identifizieren. Das Sprint Review Meeting ermöglicht es allen Beteiligten den Projektfortschritt sowie die entstandenen Arbeitsergebnisse zu begutachten. Und die Retrospektive schließt den Sprint ab und dient dem Team dazu mit jedem Sprint ein Stück weit besser zu werden. SCRUM Boards dienen zum einen der Orientierung des gesamten SCRUM Teams, erleichtern das Daily Scrum und sorgen durch die Visualisierung für Transparenz.

Sicher gibt es noch eine Vielzahl von weiteren Problemen und Hindernissen bei der Einführung von SCRUM, auf die in diesem Blog nicht explizit eingegangen wurde. Die vier hier genannten Tipps werden seitens der Autorin als die wichtigste Kriterien angesehen.