Dorte Schusdziara

Der aktuelle Trend in der Kfz-Versicherungsbranche sind die sogenannten Telematik Tarife, mit denen, bei defensiver Fahrweise, bis zu 40% Ersparnis pro Jahr erzielt werden können. Aber wie funktioniert das, sind die Daten sicher und wer profitiert tatsächlich davon?

Deutsche Automobilbauer und Versicherer sind Vorreiter bei der Nutzung von Big-Data-Analysen. Jeweils 21 Prozent der Unternehmen setzen in diesen Branchen moderne Methoden der Datenanalyse ein, so lautet das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Bitkom Research und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, welche Anfang diesen Jahres veröffentlicht wurde.

Bevor wir uns mit den Details und Kennzahlen auseinandersetzen, erkläre ich kurz den Begriff sowie die Funktionsweise: Telematik ist ein Kunstwort,  zusammengesetzt aus Telekommunikation und Informatik und definiert die Technologie, welche die Bereiche aus Navigation, Ortung, Telekommunikation miteinander vernetzt.

Die im KFZ gesammelten Daten zum Fahrverhalten werden per Smartphone oder Telematik-Box über das Mobilfunknetz an das Versicherungsunternehmen übermittelt.
Telematik-Tarif

Quelle: Check24 Telematik

Nach Aussagen der unterschiedlichen KFZ Versicherer werden primär folgende Kennzahlen ausgewertet, analysiert und für die Berechnung des individuellen Scores berücksichtigt. Je nach Versicherung werden diese unterschiedlich gewichtet und für die Berechnung des Scores herangezogen:

  • Beschleunigungsverhalten
  • Bremsverhalten
  • Kurvenfahrverhalten
  • Genutzte Straßentypen (Autobahn, Landstraße, Stadt)
  • Geschwindigkeit
  • Tageszeit, Dauer

In der Praxis kann die Auswertung einer Autofahrt (Auszug Allianz Bonusdrive App) dann wie folgt aussehen:

Telematik - Allianz Bonus App

Im Beispiel bewertet wurde das Fahrverhalten einer Autobahnfahrt mit erhöhtem Verkehrsaufkommen von Köln nach Düsseldorf.

Aber können die rein technischen erfassten Daten tatsächlich sämtliche Fahrverhaltensmuster analysieren und auch einzeln korrekt bewerten? Die Antwort ist ein klares „Nein“. Über verschiedene  Algorithmen können über die Anzahl der Fahrten eines Fahrers Aussagen getroffen werden, die auf das grundsätzliche Fahrverhalten schließen lassen, nicht aber die Auswertung einer oder weniger Fahrten.

Beispielweise ist trotz einer vorausschauenden Fahrweise eine Vollbremsung aufgrund des falschen Fahrverhaltens eines anderen Verkehrsteilnehmers notwendig. Der Score für das Bremsverhalten während dieser Fahrt wird schlecht ausfallen und das obwohl der Fahrer ggf. einen Schadensfall verhindert hat. Dies wird dann aber genauso gewertet wie ein starkes Abbremsen seitens des Fahrers wegen Unaufmerksamkeit durch die Handynutzung am Steuer. Erst über die Anzahl der Fahrten und die Häufigkeit starker Bremsvorgänge lassen sich tatsächlich Rückschlüsse auf das Fahrverhalten ziehen.

Neben den o.g. Daten werden zusätzlich folgende weitere Daten gespeichert:

  • gefahrene Kilometer
  • Dauer der Fahrt
  • Start und Ziel
  • Fahrer/Beifahrer Informationen

Verbraucher- und Datenschützer warnen davor, dass über die Apps oder Telematik Boxen zusätzlich auf Daten zurückgegriffen werden kann und dadurch dem Versicherer sämtliche Daten des Versicherers zur Verfügung stehen könnten. Schlussendlich kann man sich als Verbraucher nur darauf verlassen, dass die Bestimmungen der deutschen und europäischen Datenschutzgesetze strikt eingehalten werden.

Ob und inwieweit sich weitere Telematik Themen, wie bspw. in der Krankenversicherungsbranche durch Übertragung von Gesundheitsdaten durchzusetzen, bleibt abzuwarten. Für den Automobilbereich ist jedoch sicher, dass mit Einzug des von der Europäischen Union geplanten „eCall Systems“ (ab dem 31. März 2018 sollen laut EU alle neuen Fahrzeugmodelle mit einem automatischen Notrufsystem ausgerüstet werden; dieses informiert bei einem Unfall die Notrufzentrale und übermittelt den Unfallort) die Datenübertragung grundsätzlich aus jedem KFZ möglich sein wird.