Lukas Lötters

Self-Service beschreibt im IT Umfeld die Idee, Endanwender mit Hilfe von durchdachten Werkzeugen zu befähigen, selbst Herr ihrer IT-Herausforderungen zu werden. Im BI-Umfeld gibt es diesen Trend bereits seit mehreren Jahren. Ein Self-Service BI Werkzeug ist zum Beispiel Power BI, mit dem Endandwender Daten selbständig analysieren und berichten können. Wenn es nach Microsoft geht ist die nächste IT-Domäne im Begriff zu fallen, die der App-Entwicklung. Microsoft hat hierfür seit April 2016 ein Self-Service Werkzeug PowerApps.

PowerApps soll es auch Nicht-Entwicklern ermöglichen eigene Apps zu entwerfen, ohne dabei auch nur eine Zeile Programmcode schreiben zu müssen. Die Apps können danach auf allen Geräten vom Desktop über Tablet bis zum mobilen Endgerät angezeigt und benutzt werden. Wie das ganze funktioniert, welche Möglichkeiten und Einschränkungen es gibt, stelle ich euch im folgenden vor.

 

Wie funktionieren PowerApps?

PowerApps sind Web-Apps. Das heißt alle PowerApps laufen im Browser und können von jedem Gerät mit Internetzugang aufgerufen werden. Zu Verfügung gestellt werden PowerApps von Office365, das heißt es müssen keine lokalen Webserver bereitgestellt werden. PowerApps reiht sich damit neben Office Online, Power BI, CRM Online und vielen weiteren Diensten in die lange Liste von Managed-Services von Office 365 ein. Momentan ist der Dienst noch in der Preview-Phase und kostenlos, für die Zukunft ist ein kostenloser und kostenpflichtiger Tarif geplant. Gebaut werden PowerApps im Web auf PowerApps.com oder über die Windows 10 Anwendung, welche im Microsoft Store heruntergeladen werden kann. Mit PowerApps können allerdings keine nativen iOS oder Android Apps entwickelt werden, auch lässt sich der Quelleode nicht exportieren. Wie bei Managed-Services üblich ist das Ganze ein geschlossenes System, d.h. wer kein Office 365 hat kann den Dienst nicht nutzen.

Einige Office 365 Dienste

Einige Office 365 Dienste

PowerApps bietet eine an Office angelehnte Oberfläche und ermöglicht es Apps im wahrsten Sinne des Wortes zusammenzuklicken.  Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ist man startklar eine App zu bauen. Das Bauen selbst funktioniert nach klassischer „What you see is what you get“ Manier. Man zieht verschiedene Elemente wie Textboxen, Buttons, Bilder etc. einfach in die App und kann die Elemente frei platzieren und konfigurieren. So entwirft man Oberfläche für Oberfläche. Intelligenz und Logik kann über einfache Formeln, ähnlich zu Excel abgebildet werden. Inhalte können über diverse Schnittstellen ausgelesen und in die App geladen werden. Quellen für Daten können zum Beispiel SharePoint-Listen, SQL Server, Excel Files und viele mehr sein. Zusätzlich bietet PowerApps aber auch eine eigene Datenhaltung, das sogenannte Common Data Modell.

PowerApps Anwendung

Überblick PowerApps Entwicklung: Links Seiten Browser, Oben Steuerleiste, Mitte ausgewählte Seite

Nachdem erstellen können die PowerApps mit einem Klick veröffentlicht und allen Kollegen über Office365 zur Verfügung gestellt werden. Die Apps können direkt per Link oder über den App-Browser von PowerApps geöffnet werden. Für iOS und Andorid gibt es native PowerApps Apps, welche die Anwendungen auf dem mobilen Gerät komfortabel verfügbar machen.

PowerApps App-Browser in Office 365

PowerApps App-Browser in Office 365

Möglichkeiten und Einschränkungen

Wir haben PowerApps bereits im Zuge eines unserer Projekte eingesetzt. Alle Beteiligten waren begeistert wie einfach es ist eine eigene App zu bauen. Die Möglichkeiten reichen von einer kleinen abteilungsinternen  bis zur unternehmensweiten Anwendung. Schneller war der Weg, von einer ersten Idee bis zur fertigen App, noch nie. Die Anbindung von Unternehmensdatenquellen und die Integration in Office 365 lassen kaum Wünsche offen. Das Erstellen eines Prototyps oder einer einfachen App dauert meistens nur einen Tag!

Allerdings hat das PowerApps Konzept einige Einschränkungen.

  1. Die Apps können nicht nach außen (außerhalb der Organisation) geteilt werden, das bedeutet jeder Nutzer braucht ein Office365 Konto
  2. PowerApps können nur in der Cloud betrieben werden, kein OnPremise Hosting
  3. Das ganze System ist geschlossen, zwar können Web-Services angebunden werden, aber im Vergleich zu nativen Apps sind die Möglichkeiten deutlich begrenzt

Fazit

Das Arbeiten mit PowerApps hat mir gut gefallen. Zwar habe ich keine Angst vor Quellcode oder Entwicklungsprojekten, aber Apps zu entwickeln gehört nicht zu meinem Alltag. Umso schöner ist zu sehen, wie locker das Ganze mit PowerApps von der Hand geht. Der Funktionsumfang ist für ein so junges Projekt beeindruckend. Ich bin gespannt, wie es weiter geht mit PowerApps, und freue mich, wenn ich es wieder im Projekt einsetzten kann.